Steffen Scholz Trio

Innenstadt Nur spärlich füllten sich zunächst die Sitzreihen im Veranstaltungsraum der Musikfabrik. War es die Skepsis der Greifswalder gegenüber solchen Ankündigungen wie die eines „begnadeten“ Jazzpianisten? Oder doch nur die Bequemlichkeit, Sonnabendabend noch einen Fuß vor die Tür zu setzen?

Aber als sich Steffen Scholz schließlich an den Flügel setzte, Tobias Backhaus am Schlagzeug zu den Sticks griff und Ralph Gräßler liebevoll seinen Kontrabass umschlang, hatte die Abendkasse doch noch tüchtig eingenommen. Und kaum verflüchtigte sich der erste Blues zwischen den alten Deckenbalken, war der Bann zwischen Publikum und Jazztrio gebrochen. Locker ließen die drei Musiker die Gäste an ihrer Experimentierfreude, den Instrumenten die schrägsten Töne zu entlocken, teilhaben. Kein Fuß, der nicht irgendwann mitwippte. Keine Finger, die nicht den schnellen Rhythmus mitklopften. Egal ob Jazzstandards oder Eigenkompositionen des erst 26-jährigen Steffen Scholz – die jungen Männer spielten wie Altmeister, stünden ganz sicher auch der Kloster-Bühne zu den Eldenaer Jazzevenings gut zu Gesicht, wie der immer wiederkehrende spontane Beifall unter Beweis stellte. Immerhin. Trotz ihrer Jugend machten sich die Musiker bereits auf nationalen wie internationalen Bühnen einen Namen. Wer ihnen in der Schule für Popularmusik, wo Scholz übrigens ab dieser Woche als neuer Jazzklavier-Lehrer agiert, lauschte, wunderte sich nicht: Der Bassist schien eins mit seinem Instrument; der Berliner Pianist überzeugte mit absoluter Souveränität und der Drummer verblüffte ob seiner 22 Jahre und dem gerade begonnenen Musikstudium mit raffinierten Schlagvarianten. Am Ende blieb nur eine Frage offen: Wann geben die drei Musiker ihr nächstes Konzert in der Hansestadt?

Ostsee-Zeitung